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Der Teufelsstein von Pließkowitz
"Das Stonehenge bei Bautzen"
 

Ort: 02694 Pließkowitz/Kleinbautzen, Flurname: Teufelsstein

 
Teufelsstein von Pließkowitz - Kalenderfunktion in Gefahr!!!

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Der Komplex "Teufelstein" besteht aus zwei bizarr anmutenden Felsgebilden. Eine Felsformation im Norden, die von einem länglichen kleineren Stein in der Mitte gespalten zu sein scheint und eine dolmenartige Steinformation im Süden, die durch einen rüsselförmigen Vorsprung wie ein Elefant anmutet.

Pastor Ehregott Friedrich Pannach aus Malschwitz nannte den Teufelsstein 1795 einen „Altar der Abgötterei“ und stelle absichtliche Veränderungen der natürlichen Lage der Felsblöcke fest.

Der Name des Felsens wird heute mit einer Sage erklärt, wonach der Teufel auf diesem Felsen gesessen haben soll um seine zerrissene Hose zu reparieren. Noch heute sind die Eindrücke von Nadel, Fingerhut und Schere zu erkennen (rot im Bild unten).

Karl Benjamin Preusker (1786–1871), "Vater der Sächsischen Archäologie", vertrat in seinen Werken "Oberlausitzische Altertümer" von 1828 und "Blicke in die Vaterländische Vorzeit" von 1841 die Ansicht, dass unter anderem der Teufelsstein von Pließkowitz/Kleinbautzen in prähistorischer Zeit als heidnischer Opferaltar und Göttertempel für einen Sonnenkult gedient hat und ähnlich bedeutsam war wie Stonehenge in England. Der bekannte Oberlausitzer Heimatforscher Dr. Alfred Moschkau schloss sich 1885 dieser Meinung an und stellte weitere Felsen der Oberlausitz in diesen Kontext.

Seit jeher wird im Teufelsstein ein Heiligtum der einst um Bautzener lebenden Milzener, Vorfahren der heutigen Sorben und der bronzezeitlichen Menschen, der Lausitzer Kultur vermutet, deren Gräberfelder beim Ausbau der Autobahn bei Burg entdeckt wurden. Die ausgedehnte Fundstelle nennt man seither "Totenstadt Burg". Urnen wurden auch im näheren Umfeld des Teufelssteins gefunden und am Südhang der benachbarten
Kreckwitzer Höhe, wo durch archäologiesche Grabungen eine kontinuierlich Besiedlung von der Lausitzer Kultur über die Billenborfer Kultur bis in die Römische Kaiserzeit nachgewiesen ist. 


Der in dem gespaltenen Felsblock eingeklemmte Stein besitzt zwei ei- bzw. augenförmige ovale Vertiefungen von 50 bzw. 80 cm Größe. Der Sage nach die Sitzeindrücke der "Arschbacken des Teufels" bzw. "Opferschalen" des einstigen Heiligtums.
In den südlichen elefantenähnlichen Steinturm ist in der Nordseite ein historisches christliches Kreuz eingemeißelt.

Ausgrabungen der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz brachten unmittelbar am Felsen eine Reihe Keramikscherben und steinzeitlichen Artefakten zu Tage und führten zu der Erkenntnis, dass der Felsen durch menschlichen Einfluss verändert wurde: „Während man von der noch oben liegenden, mit den Becken versehenen Platte, als gewiss annehmen darf, dass sie früher eine andere Lage gehabt hat, d. h. quer auf den beiden Felsblöcken lag, so dass darunter ein Tor bestand“. Prof. Karl Richard Needon klassifizierte den Teufelsstein wie folgt: „Die Felsblöcke selbst sind als ein megalithisches (dolmenartiges) Denkmal einer sehr alten Zeit (Steinzeit), ob Grabmal oder Stätte der Gottesverehrung bleibt unentschieden.“

Das Objekt liegt neben dem Betriebsgelände eines Steinbruches direkt an der Verbindungsstraße zwischen Pließkowitz und Klein Bautzen. Man muss quasi mitten durch das Steinbruchgelände und sieht den Felsen in einem Büschchen auf einer Anhöhe unmittelbar über den Steinbruchgebäuden.

Die Kluft des gespaltenen Felsens verläuft in West-Ost-Richtung und gestatten den Blick auf den Sonnenauf- und -untergang des Frühlings- und Herbstanfangs. Der elefantenartige Dolmen besitz unter dem Deckstein eine Höhle, welche einen Sichtkanal für die Bestimmung der Sonnenwendereignissen bildet. Die Mittagssonne der Wintersonnenwende wirft ihr Licht zudem in einen Nord-Südkanal. Insgesamt ein Lichtspektakel wie man es bisher vor allem von Stonehenge oder anderen astronomischen Megalithen Europas kannte.
 


Älteste Darstellung des Teufelssteins bei Pließkowitz/Kleinbautzen
von Karl Benjamin Preusker aus dem Jahr 1841.
Rechts auch zu erkennen das eingemeißelte Kreuz.

 

  

Die Funktion ist weitestgehend identisch mit der Himmelsscheibe von Nebra. Felsen mit dieser Übereinstimmung werden von der Fachgruppe Archäoastronomie der Sternwarte Sohland/Spree auch als "Steinerne Himmelsscheiben" bezeichnet.

Konstruktion und Funktion des Dolmens
(Beobachtungsstation der Sonnenwenden)


Lila = Ausarbeitung zum Kippen des Decksteins und zur Bildung der Sichtöffnung zur Beobachtung der Sonnenwenden
Rot = Stützsteine zum Halten des Decksteins in seiner die Sichtöffnung bildenden gekippten Lage
 

 
 

Konstruktion und Funktion des Hauptfelsens
(Beobachtungsstation der Tagundnachtgleiche
und des Sonnenuntergangs der Wintersonnenwenden)

Der Hauptfelsen galt in der älteren Forschung als ein zur Zeit der Christianisierung zerstörtes Heiligtum. Konkret wurde der Deckstein des nördlichen Felsblocks herunter gestoßen und der Brückenstein senkrecht in die Felskluft gesteckt, wahrscheinlich um die Opferbecken unbrauchbar zu machen.
In dem eingemeißelten Kreuz am südlichen Felsblock und zwei Kreuzen auf dem Hauptfelsen vermutete man weitere Indizien für eine Christianisierung ebenso wie die Stigmatisierung als Teufelstein.

Als Beleg solcher Zerstörungen kann die Überlieferung dienen,
das Bischof Adelgott von Beltheim und Herzog Ludger von Magdeburg (Herzog von Sachsen und später als Lothar III. Kaiser des römisch-deutschen Reiches) 1116 in die Lausitz zogen, um die von Gott abgefallenen Slawen (Vorfahren der heutigen Sorben) zum christlichen Glauben zurückzuführen. Bei ihrer Mission zerstörten sie am Ufer der Spree ein "heidnisches Heiligtum", den „Abgott Flinz“, der auf einem „flinßsteyne“ (Flinzstein) stand. Die erste schriftliche Erwähnung, die einen Stein als Bestandteil eines Heiligtums in der Lausitz nennt.
Möglicherweise wurden bei dieser Kampagne mehrere Heiligtümer zerstört, zumal Bautzen als vermuteter Ort des Exempels keine Wegstunde entfernt liegt. In Bautzen nennt man noch heute einen Felsen an der Spree in Erinnerung an die Zerstörung "Abgott".


Darstellung der Zerstörung des Abrott Flinz und anderer Götter
durch Bischof Adelgott von Beltheim und Herzog Ludger von Magdeburg in der Lausitz (Kartusche einer Karte von 1732).

Rekonstruktion nach Prof. Karl Richard Needon und Ralf Herold


Verdeutlichung der Passformentechnik am Teufelsstein. Die am Boden liegende einstige Deckplatte des Felsens bildet das Gegenstück (Futteral) des heute senkrecht eingeklemmten Brückensteins mit den "Opferschalen".
Die Auswölbung an der Unterseite des Brückensteins bildet gleichsam einen Zapfen, der genau in den Felsspalt passt und ein verrücken verhindert. Passformen sind eine noch heute gebräuchliche Zimmermannstechnik.
Passformen- und Zapfentechnik findet man auch bei Stonehenge oder den Monumentalbauten Ägyptens.

Ostansicht heute:

Ostansicht einst:

Westansicht heute:

Westansicht einst:

Als "hängende Steine" (Stonehenge) sind in England die brückenbildenden Decksteine auf den so genannten Sarsensteinen gemeint. Wikipedia: "Diese Decksteine waren an ihren Berührungsflächen durch eine aus dem Stein gehauene Spundung, sowie an ihren Auflagepunkten auf den Pfeilern durch eine ebenfalls aus dem Stein gehauene Verzapfung gegen Verschiebungen gesichert."
Am Teufelsstein war zumindest ein Stein ein "hängender" Stein in diesem Sinne -
eine Brücke, welche ebenso durch einen Zapfen und eine Spundung (Passform) auf den Felsblöcken gegen Verschiebung gesichert war.
Es handelt sich beim Teufelsstein demnach ebenfalls um ein "Stonehenge"
allerdings mit nur einem Deckstein.
Vielleicht tatsächlich ein Vorläufer des berühmten Stonehenge in England?
In diesem Licht scheint Karl Benjamin Preuskers Spekulation über einen Zusammenhang zwischen den Felsheiligtümern der Oberlausitz und den Megalithen Englands äußerst Visionär.

Die kalendarische Funktion des Hauptfelsens:
Links = Sonnenuntergang der Wintersonnenwende unter dem Felsen hindurch mit Lichtfleckprojektion an Markenstein
Rechts = Sonnenauf- und Sonnenuntergang der Tagundnachtgleiche im Felsspalt unter dem heute eingeklemmten ehemaligen Brückenstein mit den zwei Opferschalen.

 

Vergleich der Konzepte dreier durch die Fachgruppe Archäoastronomie untersuchter kalendarischer Felsen



Funktionsmodell des Teufelssteins mit intakter Steinbrücke und Steinzeitdekoration 2012

 

GPS

Funktionselemente des Objektes

N 51° 13.186'
O 14° 31.268'

Der gespaltene Felsen (Frühlingsanfang) mit der eingeklemmten Steinplatte und den augenförmigen ovalen Schalen

N 51° 13.184'
O 14° 31.267'

Der auffällig geformte elefantenähnlich Stein mit den zwei darunter liegenden Lichtkanälen (Wintersonnenwende/Sommersonnenwende)


Das Sonnentor von Bautzen


2014 wurde im Zentrum von Bautzen ein Sonnentor aus Granit errichtet (ein Mini-Stonehenge), welches das Sonnenphänomen am Teufelsstein von Pließkowitz/Kleinbautzen zum Vorbild hat. Ein Denkstein verweist auf den Zusammenhang und die alten Forschungstraditionen in der Oberlausitz (Frühlingsbeginn mit Lichtstrahl am Denkstein).


Linkes Bild: Erster Lichteinfall zum Frühlingsbeginn und der letzte Lichteinfall zum Herbstbeginn (Tagundnachtgleichen). Das Licht trifft den Rand des Sonnenkreises auf der Basaltsäule am Boden und die linke Kante des Denksteines.
Rechtes Bild: Das Licht der Untergehenden Sonne zur Sommersonnenwende über dem Dachrand des Kornmarktcenters halbiert
den Sonnenkreis (Jahreshälfte).


 

Videos über den Teufelsstein von Pließkowitz/Kleinbautzen:


Auf der Fährte des Teufels
Die Teufelssteine von Pließkowitz ein megalithisches Kalendermonument - Stonehenge der Oberlausitz!


Stein-Zeit-Reise
Die Geschichte der Teufelssteine von Pließkowitz bei Bautzen in der Oberlausitz

 
Teufelsstein von Pließkowitz - Kalenderfunktion in Gefahr!!!

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